Babys werden geboren mit einer intrinsischen Motivation. Sie haben ein unerschöpfliches Bedürfnis, ihre Umgebung zu verstehen. Ihr Entdeckungs- und Bewegungsdrang, welcher für manch einen unermüdlich erscheinen mag, ermöglicht es ihnen, innerhalb kurzer Zeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu entwickeln und zu perfektionieren. Wer sich mal die Zeit nimmt, um sein Kind auf seiner Entdeckungsreise aufmerksam zu beobachten, dem wird auffallen, dass es sich durch kleinere Rückschläge so gut wie nie entmutigen lässt.

Tatsächlich haben kleine Kinder und Wissenschaftler einiges gemeinsam: Sie alle stellen Hypothesen auf, welche sie immer und immer wieder testen, bis sie sie entweder annehmen oder verwerfen können. Durch jede weitere Erkenntnis beginnt ihre Umgebung immer mehr Sinn zu ergeben.

Was ein Kind aber braucht, um seiner angeborenen intrinsischen Motivation nachzugehen, ist Bewegungsfreiraum und Möglichkeiten zum selbstständigen Spielen und Entdecken. Denn nur beim selbstständigen Spielen, kann ein Kind voll und ganz in seiner Rolle als Entdecker, Initiator und selbstständiger Lerner aufblühen. Wer ein Kind aufmerksam dabei beobachtet wird merken, wie aufmerksam und konzentriert es sich tatsächlich in eine Aktivität vertiefen kann.

Aber was passiert da eigentlich im Gehirn eines Kindes, während es in sein Spiel vertieft ist?

Das Spiel ist eine der faszinierendsten Methoden, die die Natur erfunden hat, um es unserem komplexen Gehirn zu ermöglichen, sich selbst zu formen. Während dem Spielen, entstehen im Gehirn neue Verbindungen zwischen Neuronen und Gehirnzentren und bereits existierende werden gestärkt. Das Gehirn vernetzt sich also selbst.

Einer der Gründe, weshalb Kinder eine so lebendige Fantasie haben, ist die Unreife ihres präfrontalen Kortex. Dieser wirkt sich in der Regel hemmend auf andere Hirngebiete aus. Da er sich in den frühen Kindheitsjahren jedoch erst noch entwickeln muss, können Kinder ihrer lebendigen Fantasie fast uneingeschränkt freien Lauf lassen. Während Fantasiespielen, fördern Kinder ihre exekutiven Funktionen, für welche der dorsolaterale präfrontale Kortex zuständig ist. Durch das Ausleben ihrer Fantasievorstellungen, fördern Kinder also genau das Hirnareal (präfrontalen Kortex), welches durch seine Unreife dazu beiträgt, dass ihre lebendige Fantasie überhaupt zu Stande kommt. Ihr Gehirn formt sich selbst.

 

Studien konnten zeigen, dass aktives Spielen den Nervenwachstum in der Amygdala und im dorsolateralen präfrontalen Kortex stimuliert. Spielen stärkt also genau die zwei Gehirnareale, auf deren Unreife viele impulsive und emotionale Verhaltensweisen zurückzuführen sind.

Amygdala: Verarbeitung von Emotionen

Dorsolateraler Präfrontal Kortex: Emotionale Bewertungen und Handlungsplanung, Exekutive Funktionen &Entscheidungen.

 

Warum aber ist es so wichtig, dass Kinder auch Raum bekommen, um selbstständig zu spielen?

Kinder spielen viel konzentrierter und intensiver, wenn sie allein oder gemeinsam mit anderen Kindern spielen. Einerseits tendieren wir Erwachsenen unbewusst dazu, die Kontrolle des Spiels an uns zu nehmen, und andererseits können wir uns einfach nicht gleich lebendig in die Fantasiewelt von Kindern hineinversetzen. Während dem selbstständigen Spielen können Kinder voll und ganz ihrer intrinsischen Motivation folgen, und ohne Ablenkung ihre Umgebung entdecken und verstehen lernen. Sie können alle möglichen Dinge ausprobieren, ohne dabei ihr körperliches oder emotionales Wohlbefinden zu riskieren. Wenn Kinder ihrer Neugier freien Lauf lassen können, gelingt es ihnen auch länger aufmerksam und konzentriert zu bleiben.

Durch selbstständiges Spielen werden die Leistungsmotivation und die Aufmerksamkeitsspanne des Kindes gefördert.

 

Was bedeutet selbstständiges Spielen NICHT?

  • Das du nie mehr mit deinem Kind spielen sollst. Achte einfach auf einen Ausgleich.
  • Selbstständiges spielen bedeutet nicht, dass du nicht mehr neben deinem Kind sitzen darfst, während dem es spielt. Sondern viel mehr, dass du ihm die aktive Rolle zugestehst und dich möglichst passiv verhältst. Bleib also aufmerksam, kommentiere oder zeige Anerkennung wann immer angebracht, aber greife nicht in sein Spiel ein. Wenn es dich längere Zeit nicht beachtet, verhalte dich ruhig und beobachte es aufmerksam. Unterbreche es so wenig wie möglich. Je älter dein Kind wird, desto öfters wirst du die Zeit auch für dich selbst oder andere Dinge nützen können.

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