In vielen Familien ist eine gewisse Form von Bildschirmzeit (Fernseher, Videospiele, Ipad, Smartphone, usw.) gar nicht mehr wegzudenken. Aus meiner Mama-Perspektive kann ich das natürlich sehr gut nachvollziehen. Ist zum Beispiel der Fernseher an manch anstrengenden Tagen ein sehr effektives Mittel, um mal kurz eine Pause zum Durchatmen zu bekommen.

Ich denke auch, dass eine halbe Stunde Kinderprogramm weniger schädlich ist, als eine Mama die ihre Nerven verliert.

Aber wie so vieles, sollte auch die Bildschirmzeit mit Bedacht verwendet werden. Ausschlaggebend dabei sind nicht nur die Zeiten, sondern auch die Programme, die du dein Kind schauen/spielen lässt.  

Kinderserien/-filme oder Videospiele mit sehr schnellem Szenenwechsel und/oder gewalttätigen Inhalten aktivieren im Hirn einen Botenstoff (Neurotransmitter) namens Dopamin. Dopamin hat unteranderem die Funktion, das Belohnungssystem im Gehirn zu aktivieren und somit Glücksgefühle auszulösen, wodurch in uns das Bedürfnis entsteht nach mehr, mehr, mehr. Dieses Verlangen nach mehr zeigt sich in Kindern indem sie ununterbrochen eine bestimme Serie oder einen bestimmten Film sehen möchten. Es ist der Grund weshalb Kinder manchmal gefühlt stundenlang quengeln, nur um eine halbe Stunde einer bestimmten Serie zu schauen. Die Prozesse, die hier im Gange sind, kommen also einer Sucht tatsächlich extrem nahe.

Eine Studie fand sogar, dass Kinder, welche viel Zeit vor Bildschirmen verbrachten eine geringere strukturelle Integrität der weissen Substanz im Gehirn aufwiesen. Die weisse Substanz besteht hauptsächlich aus Nervenfasern und ist essenziel für die Kommunikation zwischen den Hirnregionen.

Die Bildschirmzeit und die Art der Programme können also genau jene Fähigkeiten in Kindern beeinträchtigen, die Eltern eigentlich so gerne fördern möchten. Z.B. die Sprachentwicklung, soziale Fähigkeiten, Konzentrationsfähigkeiten, exekutive Funktionen, usw.

Ein weiteres Problem der Bildschirmzeit ist die Überstimulation des Gehirns. Kindern fällt es danach oftmals schwerer reguliert und fokussiert zu bleiben. Das Gehirn hat sich an das Stimulationsniveau der Serie/Spiels gewöhnt und empfindet nun die Realität als zu langsam, zu wenig stimulierend, und oftmals sogar als langweilig. Gleichzeitig werden ihm aber weitere Inputs sehr schnell zu viel und das Kontrollieren von Impulsen und Gefühlen fällt nun noch schwerer als bereits zuvor.

Kinder verpassen daher nicht nur vor dem Fernseher/Ipad sitzend Spielmöglichkeiten, sondern oftmals auch noch für einige Zeit nach dem Ausschalten des Geräts. Denn selbstständiges, konzentriertes und kreatives Spielen ist nur in einem einigermassen regulierten Zustand möglich.

Die TV- und Videospiel Branche weiss sehr wohl über all diese negativen Auswirkungen ihrer Programme Bescheid. Jedoch steht auch in dieser Industrie nicht das Wohlergehen der Kinder an erster Stelle, sondern das Geld. Je mehr ihre Programme konsumiert werden, desto mehr verdienen sie. Die Industrie profitiert also bewusst von der «Sucht» unserer Kinder. Um das schlechte Gewissen der Eltern zu beruhigen, werden viele Serien und Spiele als «pädagogisch wertvoll» angepriesen, was natürlich in den aller meisten Fällen völliger Schwachsinn ist.

Worauf solltest du also bezüglich der Bildschirmzeit deines Kindes achten?

  • Versuche die Bildschirmzeit deines Kindes auf einem Minimum zu halten. Dazu zählen auch Erwachsenenprogramme, welche in Anwesenheit des Kindes konsumiert werden.
  • Benütze die Bildschirmzeit weder als Belohnung noch als Bestrafung
  • Setze dein Kind nicht automatisch jedes Mal, wenn du es nicht bespassen kannst, vor den Fernseher. Die Momente, in denen du etwas für dich selbst oder den Haushalt tun möchtest, sind wunderbare Gelegenheiten für dein Kind, um selbstständig zu spielen.
  • Vermeide Bildschirmzeiten morgens und abends.
  • Achte auf die Sendungen/Filme/Spiele, die du dein Kind konsumieren lässt. Sie sollten weder zu schnelle Szenenwechsel, noch zu «flashige» Farben beinhalten. Auch sollten sie keine Guten oder Bösen, gewalttätige Szenen oder anderweitig unerwünschte soziale Verhaltensweisen aufweisen. Achte stattdessen auf einen vorbildlichen sozialen Umgang und eine langsame, ruhige Entwicklung der Ereignisse.
  • Sei dir bewusst, dass dein Kind nach dem Fernsehen möglicherweise emotional dysregulierter sein wird als davor. Also, dass du eventuell mehr Gefühlsbegleitung und Geduld aufbringen musst als ohne Bildschirmzeit. Achte daher auf deine eigene und die Stimmung deines Kindes, bevor du in die Bildschirmzeit einwilligst.

Altersempfehlungen:

  • 0-2 Jahre: Keine Bildschirmzeit
  • 3-5 Jahre: max. 30 Minuten am Tag
  • 5+ Jahre: nicht mehr als 1 Stunde am Tag

 

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