Ein Kind, das in 24 Stunden durchschnittlich ca. 6-7 mal die Windel gewechselt bekommt, und mit etwa 3 Jahren beginnt trocken zu sein, wird in seinen ersten Lebensjahren also zwischen 6‘500 und 7‘600 mal gewickelt. Das sind im Durchschnitt also 7050 Momente, die entweder lediglich zur Gewährleistung der Hygiene oder zusätzlich zur Stärkung der Bindung, des Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins genutzt werden können.

Während dem Wickeln vermitteln wir unseren Kindern nämlich eigentlich so viel mehr, als nur einen Hygienestandard. Wenn wir ihnen während diesen Aufgaben unsere volle Aufmerksamkeit schenken und nicht durch den Prozess eilen, dann können Pflegeaktivitäten den Bindungstank unserer Kinder auffüllen und ihr Selbstwert- und Körpergefühl stärken.  Denn wenn Pflegeaktivitäten achtsam umgesetzt werden, vermitteln sie dem Kind ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit, der Zärtlichkeit, der Liebe und der Kontrolle.

Dennoch wird das Wickeln in vielen Familien eher als eine Last betrachtet. Viele Eltern berichten über den Unmut ihres Kindes sich wickeln zu lassen. Oftmals wird der Protest des Kindes von Eltern interpretiert als: „Oh, mein Kind mag es wohl nicht gewickelt zu werden“. Daraufhin beeilen sie sich erst recht, um den Prozess so schnell wie möglich erledigt zu bekommen. (Mir ging es früher auf jeden Fall sehr häufig so!)

Aber was, wenn der Protest des Kindes eigentlich bedeutet: „Hey Mama/Papa, ich will auch mitmachen, sonst fühlt sich das ganze hier nicht richtig an und macht auch keinen Spaß!“ Oder: „Hey Mama/Papa, wenn du dich so beeilst mit dem Wickeln, dann fühlen sich deine Berührungen nicht zärtlich an und ich beginne mich immer mehr gestresst zu fühlen!“ oder „Hey Mama/Papa, ich weiß gerade gar nicht wirklich, wie mir geschieht und was du mit mir vorhast“.

Wie soll ein Kind den Prozess des Wickelns denn mögen oder interessant finden, wenn es dabei nicht mit einbezogen wird? Wenn es kein Mitspracherecht bekommt und auch keine Möglichkeit sich selbstständig zu fühlen? Wenn wir hektisch und genervt durch den Prozess durch eilen?

Um euren Wickelprozess möglichst achtsam und respektvoll zu gestalten können folgende Punkte hilfreich sein:

Ein fester Wickelplatz

Dieser muss nicht zwingend ein Wickeltisch sein. Sobald dein Kind sich gerne bewegt, kann es sogar sicherer sein, fürs Wickeln ein Plätzchen am Boden zu finden. Denn anstatt die Bewegungen deines Kindes zu unterbinden, was meist zu Protest führt, kannst du ihm so einen gewissen Bewegungsfreiraum lassen und den Wickelprozess seinem Bewegungsdrang anpassen. Manche Kinder mögen es zum Beispiel lieber, im Stehen gewickelt zu werden. Der Wickelplatz sollte außerdem frei von Spielsachen und anderen Dingen sein, die nicht fürs Wickeln benötigt werden.

Eine feste Wickelroutine

Bereite zuerst alles vor, bevor du deinem Kind Bescheid sagst. So ist es leichter, immer den gleichen Ablauf einzuhalten und ihr müsst eure Routine nicht unterbrechen.

Deine volle Aufmerksamkeit

Für einen achtsamen und respektvollen Wickelprozess ist es essenziell, dass du deinem Kind deine volle Aufmerksamkeit schenkst. Auch dein Kind sollte möglichst nicht abgelenkt sein. Sorge also dafür, dass Spielzeug beiseitegelegt wird und auch am Wickelplatz keine Dinge rumstehen, die nicht für die Aktivität gebraucht werden.

Das Tempo deines Kindes

Folge dem Tempo deines Kindes. Babys und kleine Kinder brauchen für kognitive und motorische Prozesse oftmals mehr Zeit. Lass deinem Kind also für jeden Schritt die Zeit, die es braucht, um ihn selbstständig auszuführen. Hilf ihm nur so viel, wie es braucht, damit es selbstständig weiter machen kann. Plan dir also ausreichend Zeit ein und versuche für diese Minuten deine Gedanken beiseite zu schieben. Achtsamkeit bedeutet, voll und ganz im Moment präsent zu sein. Dein Kind spürt, wenn du zwar bei ihm bist, dabei aber eigentlich daran denkst, was du noch alles zu erledigen hast.

 

Eine Auswahl an Kleidungsstücken

Um deinem Kind mehr Mitspracherecht zu geben, kannst du ihm immer zwei Kleidungsstücke zur Auswahl hinhalten. So ermöglichst du deinem Kind bereits in einem sehr jungen Alter selbst Entscheidungen zu treffen. Bereits sehr junge Babys können auf das Kleidungsstück zeigen kann, welches ihnen in dem Moment mehr zusagt.

 

Ablauf mit Neugeborenen/Babys

Neugeborene können von Geburt an mit einbezogen werden. Deine Bewegungen sollten dabei immer langsam, ruhig, und sicher sein. Indem du deinem Kind jeden Schritt vorher ankündigst, wird die Routine für dein Baby vorhersehbar. Nicht etwa, weil es deine Worte versteht, sondern weil es sich den Klang deiner Wörter und deiner Stimme mit der Zeit einprägt. Begleite dein Kind also mit ruhiger Stimme den ganzen Wickelprozess lang.  Wenn du immer wieder dieselbe Routine einhältst, wird dein Baby in einem sehr frühen Alter anfangen, aktiv seine Ärmchen und Beinchen durch die Kleidungsstücke durchzuschieben. Mit zunehmendem Alter kannst du ihm dann die Ärmel und Hosenbeine offen hinhalten und es selbstständig seine Ärmchen/Beinchen durchschieben lassen.

 

Ablauf mit Baby/Kleinkind

Mit zunehmendem Alter kannst du dein Kind immer mehr Verantwortung übernehmen lassen. Hilf nur so viel, wie nötig, damit dein Kind selbstständig fortfahren kann. Erzähle trotzdem immer was als nächstes ansteht und gehe mit Neugier und Offenheit auf dein Kind ein, auch wenn zwischendurch seine Aufmerksamkeit an kleinen Details hängen bleibt. Gib ihm Zeit.

Es folgen ein paar Beispiele für Schritte, die Kleinkinder mit etwas Übung sehr gut selbstständig erledigen können. (Natürlich gibt es da sehr individuelle Unterschiede und kein Kind muss immer alles selbstständig erledigen):

  • Ausziehen
  • Druckknöpfe des Bodys aufknöpfen
  • Windel ausziehen
  • Wattebausch mit Fläschchen Wasser befeuchten
  • Feuchttücher aus der Packung zupfen
  • Sich selbst putzen (du kannst dann natürlich nochmals nachputzen oder diesen Schritt zuerst selbst übernehmen und danach dein Kind nachputzen lassen)
  • Die Windel zu kleben oder Pants anziehen/hochziehen
  • Auswahl treffen zwischen zwei Outfits
  • Druckknöpfe vom Body zuknöpfen
  • Hose anziehen
  • Windel entsorgen

 

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Während dem Wickeln vermitteln wir unseren Kindern nämlich eigentlich so viel mehr, als nur einen Hygienestandard. Wenn wir ihnen während diesen Aufgaben unsere volle Aufmerksamkeit schenken und nicht durch den Prozess eilen, dann können Pflegeaktivitäten den Bindungstank unserer Kinder auffüllen und ihr Selbstwert- und Körpergefühl stärken.  Denn wenn Pflegeaktivitäten achtsam umgesetzt werden, vermitteln sie dem Kind ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit, der Zärtlichkeit, der Liebe und der Kontrolle.

Dennoch wird das Wickeln in vielen Familien eher als eine Last betrachtet. Viele Eltern berichten über den Unmut ihres Kindes sich wickeln zu lassen. Oftmals wird der Protest des Kindes von Eltern interpretiert als: „Oh, mein Kind mag es wohl nicht gewickelt zu werden“. Daraufhin beeilen sie sich erst recht, um den Prozess so schnell wie möglich erledigt zu bekommen. (Mir ging es früher auf jeden Fall sehr häufig so!)

Aber was, wenn der Protest des Kindes eigentlich bedeutet: „Hey Mama/Papa, ich will auch mitmachen, sonst fühlt sich das ganze hier nicht richtig an und macht auch keinen Spaß!“ Oder: „Hey Mama/Papa, wenn du dich so beeilst mit dem Wickeln, dann fühlen sich deine Berührungen nicht zärtlich an und ich beginne mich immer mehr gestresst zu fühlen!“ oder „Hey Mama/Papa, ich weiß gerade gar nicht wirklich, wie mir geschieht und was du mit mir vorhast“.

Wie soll ein Kind den Prozess des Wickelns denn mögen oder interessant finden, wenn es dabei nicht mit einbezogen wird? Wenn es kein Mitspracherecht bekommt und auch keine Möglichkeit sich selbstständig zu fühlen? Wenn wir hektisch und genervt durch den Prozess durch eilen?

Um euren Wickelprozess möglichst achtsam und respektvoll zu gestalten können folgende Punkte hilfreich sein:

Ein fester Wickelplatz

Dieser muss nicht zwingend ein Wickeltisch sein. Sobald dein Kind sich gerne bewegt, kann es sogar sicherer sein, fürs Wickeln ein Plätzchen am Boden zu finden. Denn anstatt die Bewegungen deines Kindes zu unterbinden, was meist zu Protest führt, kannst du ihm so einen gewissen Bewegungsfreiraum lassen und den Wickelprozess seinem Bewegungsdrang anpassen. Manche Kinder mögen es zum Beispiel lieber, im Stehen gewickelt zu werden. Der Wickelplatz sollte außerdem frei von Spielsachen und anderen Dingen sein, die nicht fürs Wickeln benötigt werden.

Eine feste Wickelroutine

Bereite zuerst alles vor, bevor du deinem Kind Bescheid sagst. So ist es leichter, immer den gleichen Ablauf einzuhalten und ihr müsst eure Routine nicht unterbrechen.

Deine volle Aufmerksamkeit

Für einen achtsamen und respektvollen Wickelprozess ist es essenziell, dass du deinem Kind deine volle Aufmerksamkeit schenkst. Auch dein Kind sollte möglichst nicht abgelenkt sein. Sorge also dafür, dass Spielzeug beiseitegelegt wird und auch am Wickelplatz keine Dinge rumstehen, die nicht für die Aktivität gebraucht werden.

Das Tempo deines Kindes

Folge dem Tempo deines Kindes. Babys und kleine Kinder brauchen für kognitive und motorische Prozesse oftmals mehr Zeit. Lass deinem Kind also für jeden Schritt die Zeit, die es braucht, um ihn selbstständig auszuführen. Hilf ihm nur so viel, wie es braucht, damit es selbstständig weiter machen kann. Plan dir also ausreichend Zeit ein und versuche für diese Minuten deine Gedanken beiseite zu schieben. Achtsamkeit bedeutet, voll und ganz im Moment präsent zu sein. Dein Kind spürt, wenn du zwar bei ihm bist, dabei aber eigentlich daran denkst, was du noch alles zu erledigen hast.

 

Eine Auswahl an Kleidungsstücken

Um deinem Kind mehr Mitspracherecht zu geben, kannst du ihm immer zwei Kleidungsstücke zur Auswahl hinhalten. So ermöglichst du deinem Kind bereits in einem sehr jungen Alter selbst Entscheidungen zu treffen. Bereits sehr junge Babys können auf das Kleidungsstück zeigen kann, welches ihnen in dem Moment mehr zusagt.

 

Ablauf mit Neugeborenen/Babys

Neugeborene können von Geburt an mit einbezogen werden. Deine Bewegungen sollten dabei immer langsam, ruhig, und sicher sein. Indem du deinem Kind jeden Schritt vorher ankündigst, wird die Routine für dein Baby vorhersehbar. Nicht etwa, weil es deine Worte versteht, sondern weil es sich den Klang deiner Wörter und deiner Stimme mit der Zeit einprägt. Begleite dein Kind also mit ruhiger Stimme den ganzen Wickelprozess lang.  Wenn du immer wieder dieselbe Routine einhältst, wird dein Baby in einem sehr frühen Alter anfangen, aktiv seine Ärmchen und Beinchen durch die Kleidungsstücke durchzuschieben. Mit zunehmendem Alter kannst du ihm dann die Ärmel und Hosenbeine offen hinhalten und es selbstständig seine Ärmchen/Beinchen durchschieben lassen.

 

Ablauf mit Baby/Kleinkind

Mit zunehmendem Alter kannst du dein Kind immer mehr Verantwortung übernehmen lassen. Hilf nur so viel, wie nötig, damit dein Kind selbstständig fortfahren kann. Erzähle trotzdem immer was als nächstes ansteht und gehe mit Neugier und Offenheit auf dein Kind ein, auch wenn zwischendurch seine Aufmerksamkeit an kleinen Details hängen bleibt. Gib ihm Zeit.

Es folgen ein paar Beispiele für Schritte, die Kleinkinder mit etwas Übung sehr gut selbstständig erledigen können. (Natürlich gibt es da sehr individuelle Unterschiede und kein Kind muss immer alles selbstständig erledigen):

  • Ausziehen
  • Druckknöpfe des Bodys aufknöpfen
  • Windel ausziehen
  • Wattebausch mit Fläschchen Wasser befeuchten
  • Feuchttücher aus der Packung zupfen
  • Sich selbst putzen (du kannst dann natürlich nochmals nachputzen oder diesen Schritt zuerst selbst übernehmen und danach dein Kind nachputzen lassen)
  • Die Windel zu kleben oder Pants anziehen/hochziehen
  • Auswahl treffen zwischen zwei Outfits
  • Druckknöpfe vom Body zuknöpfen
  • Hose anziehen
  • Windel entsorgen

 

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