Sehr wenige Ereignisse erschüttern die Welt eines Kleinkindes so sehr, wie die Ankunft eines neuen Geschwisters. Die Geburt eines Geschwisterchens führt immer zu grossen Veränderungen in der Familiendynamik. Nicht nur für Eltern kann diese Umstellung schwierig sein, sondern vor allem auch für die jüngsten, verletzlichsten und sensibelsten Familienmitglieder.

Für das ältere Geschwisterkind kann die Geburt eines neuen Familienmitglieds tatsächlich erst einmal sehr verstörend sein, denn seine ganze Welt wird dadurch auf den Kopf gestellt. Die vielen kleinen und grossen Veränderung in der Familie sind für ein Kind sehr schwer einzuordnen. Die ganze Familiendynamik, sein Zuhause, sein sicherer Hafen, alles ist plötzlich anders. Oft entstehen Sorgen um den eigenen Platz in der Familie und das dadurch wachsende Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuneigung kann durch die Bedürfnisse des kleinen Geschwisterchens oftmals nicht vollständig gestillt werden.

Hat es bisher die volle Aufmerksamkeit und Liebe seiner Eltern ganz allein für sich geniessen dürfen, muss es nun über Nacht einen grossen Teil davon mit einem für ihn völlig fremden Wesen teilen. Dass es da zu Gefühlen der Eifersucht und Sorge kommt, ist völlig normal. Das ältere Kind ist verunsichert und fürchtet vielleicht sogar, noch mehr der Aufmerksamkeit und Liebe seiner Eltern zu verlieren.

Dieses Gefühlschaos äussern und verarbeiten Kinder fast immer durch ihr Verhalten. Es kann also zu unzähligen Arten von Verhaltensänderungen kommen, einschliesslich Stimmungsschwankungen, Verweigerungsverhalten, und vermehrtes Austesten von Grenzen.

 

 

Was können Eltern tun, um ihrem Kind die Anpassung an das neue Familienmitglied etwas zu erleichtern?

 

Hab vernünftige Erwartungen

Egal wie sehr dein älteres Kind sich ein Geschwisterchen gewünscht hat, die Verschiebung eurer Aufmerksamkeit und Zuneigung auf das neue Baby wird von eurem älteren Kind als Verlust empfunden. Versuche also verständnisvoll zu reagieren, wenn dein älteres Kind sich nicht sofort als liebevolles, anbetendes und hilfreiches grosses Geschwister zeigt.  

Ermutige dein Kind, seine Gefühle auszudrücken

Wenn dein älteres Kind sich aggressiv gegenüber dem Baby verhält, frage nach und zeige Verständnis, währenddem du eine Grenze setzt.

Zum Beispiel: „Bist du verärgert, dass das Baby hier ist? Ich kann mir vorstellen/Ich weiss, dass man als grosse Schwester/Bruder manchmal so fühlt. Das ist völlig okay! Aber ich kann nicht zulassen, dass du deinem Bruder weh tust.“

Sprich ausserdem ab und zu beiläufig mit deinem Kind darüber, dass es normal ist auch mal negative Gefühle zu haben.

Zum Beispiel: „Eine große Schwester zu sein kann manchmal sehr schwer sein. Es ist normal, auch mal wütend auf das Baby oder auf Mama oder Papa zu sein. Ich werde dich immer lieb haben und für dich da sein.“

Mach aus Kleinigkeiten keine grosse Sache

Lass es lauter und chaotischer sein. Lass dein älteres Kind dem Baby auch mal Spielzeug wegnehmen, wenn es so mit ihm „zusammenspielt“. Solange es das Kleine dabei nicht körperlich gefährdet. Dieser Impuls des „Wegnehmens“ ist stark und symbolisch für die Rivalität, die dein älteres Kind empfindet.

Den meisten Babys macht es nichts aus, wenn ihnen Spielzeug weggenommen wird, es sei denn, ihre Eltern tun es. In der Tat ist dies auch für das Baby eine erste Form des Interagierens und Spielens mit deinem älteren Kind. Je weniger du dich auf diese harmlosen Verhaltensweisen konzentrierst, desto weniger Anreiz gibst du deinem älteren Kind, diese zu wiederholen.

Plane regelmäßig Zeit ein, um deinem Kind deine volle Aufmerksamkeit zu schenken

Hierbei geht es um Qualität, nicht um Quantität. Nimm dir jeden Tag etwas Zeit, in der du dich voll und ganz auf dein älteres Kind konzentrierst. Gut geeignet sind Pflegeaktivitäten, oder Momente, in denen das Baby schläft. Wenn du dich dann mal auf dein Baby konzentrieren musst und dein älteres Kind ein Problem damit hat, kannst du es liebevoll daran erinnern, wann ihr wieder Zeit zu zweit haben werdet.

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