Hast du schon mal von der Theorie gehört, dass entspannte Eltern entspannte Kinder bekommen?

Unter einem entspannten Kind stellen wir uns meist ein Kind vor, das man auch als ruhig, einfach, flexibel, und offen beschreiben könnte.

All diese Eigenschaften sind jedoch zum grössten Teil von dem Temperament des Kindes abhängig, und nicht von der Entspanntheit der Eltern.

Kinder werden mit ihrem Temperament geboren.

Unter Temperament versteht man unsere Art und Weise zu fühlen, erleben, handeln und reagieren. Unsere Selbstwahrnehmung und unsere Wahrnehmung der Welt und der Menschen um uns herum wird also sehr stark von unserem Temperament beeinflusst.

Für Eltern ist es sehr wichtig zu verstehen, dass sie nicht die Ursache für das Temperament ihres Kindes sind. Das Temperament eines Kindes ist kein Ergebnis einer „schlechten“ oder „guten“ Erziehung.

Aber um ihr Kind in seiner Entwicklung optimal zu unterstützen und begleiten, ist es für Eltern ausschlaggebend, das Temperament ihres Kindes zu kennen und zu verstehen. Niemals sollte das lebhafte oder sensible in Kindern unterdrückt oder bestraft werden.

Es ist nicht die Aufgabe von Eltern, ihre Kinder zu verändern, sondern sie so zu akzeptieren und lieben, wie sie sind.

Das gelassene Temperament 

Kinder mit einem gelassenen Temperament werden häufig als einfach, entspannt, flexible und umgänglich beschrieben. Sie sind oft gut gelaunt und passen sich schnell an neue Situationen und Personen an. Übergänge und Veränderungen bereiten ihnen meist keine grösseren Schwierigkeiten.

Vergleich zur Blumenwelt: Löwenzahn -Gedeiht fast überall.

Das zurückhaltende Temperament.

Kinder mit diesem Temperament werden oft als schüchtern und ruhig beschrieben, obwohl sie dies vielleicht gar nicht sind. Aber ihre laute und extravertierte Seite zeigen sie nur in Situationen, in denen sie sich sicher und geborgen fühlen. Neue Situationen und fremde Personen dahingegen, bereiten diesen Kindern zu Beginn oftmals Schwierigkeiten. Sie reagieren sehr anhänglich und weichen ihrer Bezugsperson auch dann noch nicht von der Seite, wenn alle anderen Kinder bereits in ihr Spiel vertieft sind. Die Trennung von ihren Bezugspersonen fällt ihnen meist schwer, vor allem in einem ihnen unbekannten Umfeld. Diese Kinder brauchen viel Vorhersehbarkeit, z.B. in Form von Routinen und mehr Zeit, um sich an neue Situationen und Personen zu gewöhnen. Für sie ist es wichtig, dass ihre Bezugspersonen ihnen die Zeit lassen, die sie brauchen. Druck und Zwang wirken sich sehr schnell kontraproduktiv aus und verstärken bloss ihre Unsicherheit.

Vergleich zur Blumenwelt: Mimosa Pudica – Zieht bei Berührung ihre Blätter ein. Braucht zum Gedeihen viel Geduld und Zärtlichkeit.

Das sensible Temperament.

Temperamentvolle, lebendige, energische Kinder reagieren sehr empfindlich und sensible auf Reize. Sie sind sich ihrer Umgebung stärker bewusst und es fällt ihnen schwer Ablenkung zu ignorieren. Zum Beispiel werden sie von lauten Geräuschen und viel Aufregung schnell überstimuliert. Auch grosse Veränderungen im Leben und Alltag machen diesen Kindern meist mehr zu schaffen als anderen. In solchen Situationen reagieren sie häufig emotional, aufbrausend, oder impulsiv. Diese Kinder tun ihren Unmut und ihr Unbehagen oftmals lauthals kund, was von Eltern als besonders nervenzehrend und verunsichernd wahrgenommen wird. Eltern dieser Kinder zweifeln häufig, fühlen sich erschöpft, frustriert und haben das Gefühl, alles falsch zu machen. Sie beschreiben ihre Kinder häufig als Gefühlsstark. Da diese Kinder Gefühle viel intensiver wahrnehmen, brauchen sie oftmals auch länger, um sich zu beruhigen und ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Ihre Ess- und Schlafrythmen tendieren dazu, unberechenbar zu sein und plötzliche, unangekündigte Übergänge zwischen Aktivitäten können grossen Stress verursachen. Auch wenn es oftmals nicht den Anschein macht, sind diese Kinder unglaublich empfänglich und verwundbar, was dazu führt, dass sie durch negative, sowie auch positive elterliche Erfahrungen stärker beeinflusst werden als Kinder mit einem gelassenen Temperament. Das heisst, diese Kinder leiden besonders stark unter den negativen Auswirkungen grober und harscher Erziehungspraktiken, profitieren aber auch besonders stark von positivem und fürsorglichem elterlichen Verhalten. Durch eine einfühlsame und fürsorgliche Begleitung der Eltern, können diese Kinder wundervoll gedeihen und zu wahnsinnig empathischen, kompetenten, und engagierten Personen heranwachsen. Ihre einstige Sturheit wird im späteren Leben zu ihrer Beständigkeit, Ausdauer und Motivation. Und was sich in ihrer Kindheit als Sensibilität präsentiert, wird im späteren Leben zu unerschütterlicher Leidenschaft. Diese Kinder stecken also voller Potenzial und sollten niemals für ihr Temperament bestraft oder unterdrückt werden.  

Vergleich zur Blumenwelt: Orchidee – Sehr feinfühlig und empfindlich. Braucht die richtige Umgebung, um in ihrer vollen Pracht zu erblühen.

Das Temperament eines Kindes setzt sich aus unterschiedlichen Ausprägungen und Kombinationen dieser Temperamenttypen zusammen. Ein Kind kann also ein gelassenes Temperament haben aber gleichzeitig auch eher zurückhaltend sein, oder es kann ein sensibles Temperament haben und auch zurückhalten sein. 

Warum ist es für Eltern also so wichtig das Temperament ihres Kindes zu kennen?

Für Eltern ist es wichtig das Temperament ihres Kindes zu kennen damit sie ganz individuell , respektvoll und bedürfnisorientiert auf ihr Kind eingehen können. Was für ein Kind funktioniert, muss nicht unbedingt auch für das andere Kind funktionieren. Zum Beispiel braucht ein Kind mit einem eher gelassenen Temperament abends wahrscheinlich eher Ruhe und Entspannung, um in den Schlaf zu finden, wohingegen es für ein Kind mit einer zurückhaltendem Temperament besonders wichtig sein kann eine feste Abendroutine zu haben und ein Kind mit einem lebhaften oder sensiblen Temperament am meisten von einer Aktivität profitier, die ihm erlaubt nochmal richtig Energie oder Anspannung abzubauen bevor es ins Bett geht. 

Weiter kann es für Eltern hilfreich sein ihr eigenes Temperament zu verstehen. Die meisten Konflikte treten nämlich dann auf, wenn sich das Temperament des Kindes sehr vom Temperament der Bezugsperson unterscheidet. Zum Beispiel kann eine Bezugsperson mit einem gelassenen Temperament Schwierigkeiten haben ihr Kind mit einem sehr sensiblen Temperament zu verstehen, wohingegen es einer Bezugsperson die selbst sehr temperamentvoll ist wahrscheinlich etwas leichter fällt.

 

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